Von Cocain zu Procain. Zur Geschichte der synthetischen Lokalanästhetika.

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Cocain war das erste bekannte Lokalanästhetikum. Als äußerst potente Substanz eignet es sich für alle Varianten der Lokalanästhesie – doch im Laufe der Zeit zeigte sich eine hohe Toxizität und ein großes Suchtpotential. Die vorliegende Studie widmet sich der Geschichte der Suche nach Cocain-Ersatzmitteln mit gleichwertigem Betäubungsvermögen und einem besseren Sicherheitsprofil.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Analyse der Entwicklung und Vermarktung synthetischer Lokalanästhetika in vier deutschen pharmazeutischen Unternehmen Bayer, Merck, Hoechst und Schering. Der Untersuchungszeitraum umfasst dabei rund 100 Jahre; von der Entdeckung des Cocains als Lokalanästhetikum 1884 durch Carl Koller (1857–1944) bis in die 1970er-Jahre, in der es dank des modernen molecular modeling zu gezielten Wirkstoffentwicklungen für klar definierte Indikationsgebiete kam. Im Kontrast zur Industrieforschung der genannten Unternehmen steht die Synthese der Fomocaine durch den Hochschullehrer Herbert Oelschläger (1921–2006). Seine Entwicklung begründete eine neue Wirkstoffklasse von Lokalanästhetika und eröffnete zugleich ein neues Forschungsfeld. Als Quellenmaterial für die vorliegende Untersuchung dienten interne und externe Schriftwechsel der genannten Unternehmen und ihrer Forschungspartner, Patentakten, Jahresberichte und Werbematerialien, die detaillierte Einblicke in die Entwicklung und Vermarktung der Wirkstoffe erlaubten. Zugleich spiegeln die Quellen den relevanten Einfluss zeitgeschichtlicher, politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf Einführung und Vertrieb der Substanzen wider. Die Untersuchung der Forschungskooperationen mit Hochschulwissenschaftlern zeigt zudem, den teils aktiven Einfluss auf vermarktungsstrategische Entscheidungen der Unternehmen. Trotz zahlreicher potenter Wirkstoffe ist die Lokalanästhesie auch heute noch ein relevantes Forschungsfeld, das in Form von neuen Indikationsgebieten und der Synthese neuartiger Natriumkanalblocker weiterhin spannende Entwicklungen aufzeigt.

Die vorliegende Studie reiht sich in die Arzneimittelgeschichtsschreibung als wichtiges Forschungsfeld der Pharmaziegeschichte ein und verdeutlicht zugleich, dass moderne Arzneistoffforschung auf langfristigen historischen Entwicklungsprozessen beruht.

Aus dem Inhalt:

Einleitendes Hauptkapitel: Anfänge und Frühgeschichte der Lokalanästhesie

Begriffsdefinitionen und Wirkweise

Varianten der Lokalanästhesie

Entdeckung und Strukturaufklärung des Cocains

Suchtproblematik und Auftakt der Suche nach Cocain Ersatzmitteln Hauptkapitel zur Lokalanästhetika-Entwicklung in vier deutschen pharmazeutischen Unternehmen: Bayer, Merck, Hoechst, Schering Herbert Oelschläger und die Fomocaine

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Nina Schönewolf


Nina Schönewolf absolvierte von 2008 bis 2014 das Studium der Pharmazie an der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität in Bonn. Ab Oktober 2015 nahm sie am dreisemestrigen Ausaustudiengang „Geschichte der Pharmazie“ an der Philipps-Universität Marburg teil. Im Jahr 2017 begann sie ihre Promotonsarbeit im Fach Geschichte der Pharmazie, die sie Ende 2025 abschloss.
Band 138
ISBN 978-3-8047-4736-4
Medientyp Buch - Kartoniert
Auflage 1.
Copyrightjahr 2026
Verlag

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH 
Maybachstr. 8
70469 Stuttgart

Umfang 392 Seiten
Abbildungen 29 farb. Abb.
Format 14,8 x 21,0 cm
Sprache Deutsch